Ali Can

 

Ich sehe dich, wie du da stehst.

(Der folgende Text ist....ach egal...)

Ich sehe dich, wie du da stehst.


Ich sehe dich. Wie du die Bühne runtergehst. Wie du, mit den anderen redest.

Deine Grübchen. Wie du wieder hochgehst. Wie du, dich konzentrierst.

Bist noch wie früher. Wie du dich bewegst. Wie du, einfach da stehst.


Wenn ich dich so beobachte, stell ich fest, wie gut ich dich jetzt kenne. Egal wie du dein Gesicht verziehst, egal wie du deine Arme bewegst. Ich kenne schon alles. Das ist irgendwie ein positives Gefühl. Oder die Art und Weise wie du gehst, die ich ja komisch fand. Und immer noch finde ich, man erkennt leicht, dass du leicht Probleme mit den Beinen hast. Aber ich finde es nicht schlimm, sondern irgendwie bin ich froh, dass ich weiß, wieso du etwas komisch gehst. Als ob ich, irgendwie dich schon ewig kenne und eine wunderbare und lange Zeit mit dir hatte. Wenn ich dich so sehe, dann akzeptiere ich einfach alles. Ein total schönes Gefühl, dass mir alles von früher auffällt. Ich frage mich nichts, nehme dich nur wahr und in mir entsteht das Gefühl, dich sehr gut zu kennen. Z.B. als du gerade Jemandem ein Hallo zuriefst und ihm gewunken hattest, da wusste ich sofort, wie du das gesagt hattest. Deine Stimme kommt mir in den Sinn. Immer wenn wir im Café waren, hast du die Kellner sehr freundlich angesprochen. Allgemein, wenn wir unterwegs waren, ich habe mich sehr sicher gefühlt, da du immer selbstbewusst warst. Du sprichst mit anderen sehr freundlich und anständig; du betonst auch immer so, das ist sehr außergewöhnlich für einen Jugendlichen, aber du bist ja so theatralisch und frühreif, von daher passt das schon zu dir.

Es passt auch zu dir, dass du jetzt eine Stunde durchgehend ernst schaust und arbeitest. Ich weiß, wie konzentriert und ernst du gerade versuchst zu sein, was du auch oft bist. Aber ich weiß auch, dass du stattdessen irgendwie etwas Liebevolleres machen würdest. Hast du ja immer gesagt, du willst alles so schön haben und liebevoll. Dich für andere Menschen einsetzen. Für arme und schwache Menschen etwas gutes tun, das möchtest du unbedingt, weil du so viel mitfühlst. Du kannst dich sehr gut in andere Menschen hineinversetzen. Das ist so schön von dir.

Oh, du machst glaub ich eine Pause. Du streckst dich kurz und gehst von der Bühne runter. Dabei wirkst du selbstbewusster als früher. Nun holst du dein Handy raus. Ach dein Handy. Das wollte ich immer haben, weil ich so scharf drauf war zu wissen, mit wem du schreibst und was du so alles drauf hattest. Du scheinst etwas zu tippen. Mit wem schreibst du jetzt? Das macht mich unglaublich neugierig, mit mir schreibst du ja leider nicht mehr. Ich würde dir so gern eine Sms schreiben.

Ein kleines Kind stolpert, was du siehst. Du hilfst ihr sofort liebevoll auf die Beine. Du flüsterst ihr etwas zu und kneifst sie an der Wange. Sie lächelt dich an und geht. Das sah sehr süß aus. Was du ihr wohl gerade ins Ohr geflüstert hast?

Du hast einfach eine so süße Fantasie. Deine ganzen Geschichten, wie alles schöner und süßer werden könnte, vermisse ich sehr. Ich liebe deine Geschichten immer noch. Unsere Telefonabende, die manchmal zu Telefonnächten wurden. Wir haben bis in die frühen Morgenstunden telefoniert, obwohl wir Schule hatten.

Plötzlich lachst du vor dich hin. Ich kann nicht erkennen wieso du alleine lachst, sonst lacht niemand. Bestimmt hast du an etwas sehr lustiges gedacht oder dir ist wieder etwas sehr komisches aufgefallen.

Ich sehe dich aus der Ferne. Ich sitze weit weg von dir. Ich habe seit Monaten nicht mit dir geredet. Wir haben gar keinen Kontakt mehr. Nur aus der Ferne kann ich dich sehen. Dabei fühle ich mich dir aber so nah, wie damals als wir uns lange umarmten. Ich sehe dich zwar aus der Ferne, aber deine Ausstrahlung berührt mich. Du gibst, ob ich will oder nicht, eine Wärme, die ich ständig wahrnehme, egal was du tust. Ich kenne dich. Und ich, ich vermisse dich. Alles an dir, dein Lächeln, deine Grübchen dein Geruch deine Diskussionen deine Gedichte deine Stimme deine Umarmungen deine Küsse. Am meisten vermisse ich das Gefühl, das ich hatte als wir noch in einer Beziehung waren. Als ich in deiner Nähe sicher war. Als wir uns heimlich trafen und lachen konnten. Ja, sogar deine Diskussionen vermisse ich. Sogar unsere Streitereien vermisse ich, denn wenigstens konnte ich dich anfassen. Und wenn wir uns heimlich trafen, mussten wir immer aufpassen, dass uns kein Bekannter sieht. Aber auch dieses panische Gefühl, dass uns jemand sehen könnte, wenn wir mal draußen in der Stadt waren vermisse ich. Du stehst da, redest mit anderen. Ich schaue zwischen den zwei Tischen vor mir und sehe dich. Ich kann meine Augen nicht von dir lassen.

Du bist im Moment nicht so unerreichbar von mir wie sonst, wenn ich wollte könnte ich zu dir gehen und dich ansprechen. Aber, auf der anderen Seite bist du mir so fern. Ich weiß nicht, was du von mir denkst. Was du noch fühlst, falls du was fühlst. Ich würde so gerne wissen, ob du noch an mich denkst. Ob du auch noch manchmal an unsere heimlichen Treffen denkst. Daran, dass ich dir Schokolade gekauft hatte. Du hattest dich so gefreut! (Wie so ein kleines Kind) Ich frage mich, ob noch daran denkst, dass du mich mal liebtest. Ja, weißt du noch? Früher sagtest du „Ich liebe dich“. Wir hielten Händchen, wir küssten uns. Und jetzt? Stille. Kälte. Nichts.

Ich sehe dich. Und ich bin mir nicht sicher, ob das gut ist. Denn es gibt Tage, da denke ich sehr lange an dich. Jetzt wo ich dich sehe, kommen Gefühle hoch. Ich werde bestimmt wieder an dich denken müssen. Ach man, ich hoffe einfach dass wir mal wieder reden können. Unter uns. Allein und heimlich.

Und soll ich was sagen? Ich würde dir so gerne schreiben. Ich sehe, du hast immer noch Facebook und deine Handynummer und deine Hausnummer. Ich würde einfach mal unbekannt anrufen um deine Stimme zu hören. Ich werde es auch bald tun. Ich halte das nicht mehr aus. Ich hoffe es geht nicht schief. Ich möchte einfach mit dir reden. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Bitte. Ich vermisse dich. Leider muss ich jetzt gehen. Ich werfe einen letzten Blick zu dir. Du schaust um dich, unsere Blicke treffen sich. Für eine Sekunde steht die Welt still. Du schaust emotionslos, scheinst dich nicht zu freuen aber du schaust mir tief in die Augen. Dennoch wirkt dein Blick sehr kalt und gefühllos. Dann schaust du wieder weg und arbeitest. Ich weiß nicht, was dein Blick bedeutet hat. Aber ich glaube daran, dass auch du mir gerne was sagen würdest. Ich werde dich nicht gehen lassen. Ich werde mich melden und dir schreiben. Du willst das eigentlich auch. Das glaube ich. Das hoffe ich. Ich werde kämpfen. Um unsere Liebe, um dich, um uns! Das war nicht alles umsonst. Ich werde kämpfen! Denn, nichts ist schlimmer, als neben einem Menschen zu sein, bei dem man weiß, dass er nie einem gehören wird. Aber ich werde kämpfen... Ciao, meine erste große Liebe...

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