Ali Can

 

Der Raum

Ich wälze mich. Liege mal auf linker, mal auf rechter Seite, nie richtig bequem. Eigentlich ist mein Bett zu groß für mich. Vielleicht kann man in größeren Betten besser schlafen dachte ich. Wenn ich verstünde, wie man schön schlafen könnte. Gerade liege ich auf dem Rücken. Erst jetzt merke ich richtig, dass ich aufgewacht bin. Ich richte mich ein wenig auf und sehe mir mein Zimmer an. Das Fenster ist zu, davor ein Stuhl, an dem meine ausgeleierten Socken und meine Hose hängen. Es ist bestimmt eine schlechte Luft im Zimmer. Wie lange war ich drin? Sobald ich aufstehe, werde ich meine verdreckten Socken anziehen. Davor denke ich nach, ob ich noch im Schlafanzug rumlaufen soll oder für paar Stunden meine Sommerhose tragen soll. Wenn ich sie anhabe, kommt es mir sommerlicher vor, was mir ab und zu die Laune verbessert. Nach gefühlten zwei Stunden fasse ich den Entschluss, dass ich sie nachher sowieso hätte anziehen müssen, wenn ich etwas zum Essen kaufen wollte. Essen gibt es abends nur draußen. Ich koche sehr selten, gehe lieber raus und esse woanders, wo sich ebenfalls andere aufhalten. Ich stehe auf und räkle mich. Dabei ziehe ich die Gardinen beiseite und das Zimmer wird heller. Hatte ich lange geschlafen? In meinem Kopf dröhnt etwas, was ich nicht genau erkennen kann. Für einen Moment setze ich mich. Als ich wieder aufstehe, hab ich das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe. Kurz nach dem Aufwachen finde ich es schwer nachzudenken. Kommt das vom wenigen Schlaf? Ich mache die Tür auf. Es zieht im Zimmer. Vor mir im Flur steht ein Spiegel auf der Kommode. Das Telefon ist nicht daneben auf seinem Platz. Ich weiß zwar nicht wieso, aber wen sollte ich schon anrufen. Seufzend gehe ich barfuß in die Küche. Auf dem Boden finde ich ein schwarzes T-shirt, das ich oft trage. Es war ein Geschenk eines ehemaligen Freundes. Früher war eine weiße Schrift zu erkennen, "Friendship", heute jedoch steht nur noch ship drauf. Die Wohnung ist zwar klein aber ich habe einen Balkon. Sitze an der Balkontür und schaue in die Ferne. Ich wohne am Ortsausgang, vor einem Reiterhof. Draußen auf der Weide sind zwei Pferde, die, so scheint es mir, sich raufen und miteinander spielen. Mich rührt es, wie sich diese Pferde verstehen. Ohne dabei zu reden. Fabelhaft, man redet nicht und versteht sich trotzdem. In der Küche ist es sehr kalt und ich habe hunger. Ich habe nichts mehr zu essen da und durst habe ich auch. Wenn ich durst habe, dann gehe ich raus zum Kiosk und trinke dort. Ab und zu sitzt schon einer da und wir quatschen. Ich mag Gespräche derselben, denn so lerne ich Leute kennen. Als ich wieder auf die Weide schaue sind die Pferde weg. Schade. Und auf dem Balkon ist es mir ungemütlich geworden. Ich gehe zurück in mein Zimmer. Die Luft ist sehr schlecht, das Fenster will ich aber nicht aufmachen. Es ist immerhin warm...

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