Ali Can

 

Dankbarkeit

Überrascht schaut Sven seine Mutter an. War das eben seine Mutter, die "Das macht man doch nicht als Junge" gesagt hat? Denn für ihn schien es ganz klar; Dankbarkeit sollte man zeigen. Für ihn spielte das Geschlecht keine Rolle. Die Mutter sagt nichts mehr zu diesem Thema und er isst sein Joghurt zu Ende. Dabei erinnert er sich an die für ihn so schöne Zeit zurück. Er war vor kurzem noch in Nrw. Sven hat in den Herbstferien seine Freunde aus einem anderen Bundesland besucht; Er und seine Familie wohnen seit zwei Jahren in Frankfurt. In Dortmund bei Marc, der keine Geschwister hat und dessen Mutter alleinerziehend ist, durfte er die ganzen Ferien über bleiben. Sehr großzügig dachte Sven, als er von Marc gesagt bekam, dass die Mutter, die wie gesagt alleinerziehend ist und noch nebenbei einen Job hat, ihn gerne willkommen heißt. Die Zeit verging wie im Flug. Nach den zwei Wochen war er überglücklich alle seine Freunde wieder gesehen zu haben und für die nicht so selbstverständliche Gastfreundschaft von Marc und seiner Mutter. Am letzten Tag, am Tag der Rückkehr ist er mit Marc nochmal essen gegangen, um mal für ihn zu bezahlen. Sven dachte sich, so könnte Marc in Kenntnis nehmen, dass er sehr dankbar ist für alles. Als sie mit dem Essen fertig waren, ging Sven kurz ins WC um sich die Hände zu waschen. Als er wiederkam stand Marc am Ausgang. "Nicht doch", hatte Marc schon für sie beide bezahlt?, fragte sich Sven. Und als das feststand, gingen sie raus und Sven bedrückte das Gefühl, dass Marc wieder etwas gutes getan hatte, obwohl damals Sven mal eine gute Geste zeigen wollte. Und am Abend, als Sven in den Zug einstieg, verabschiedet von allen, fiel ihm ein, wem er eigentlich auch noch zu danken hatte. Der Mutter, die jeden Tag drei mal für sie Essen zubereitete und auch zwei mal Sven Taschengeld gab, damit sich die beiden Jungs ausgiebig amüsieren konnten. Sie war es, die den beiden genug Freiraum gab und keine Uhrzeit für die Rückkehr nannte, sodass Sven und Marc lange unterwegs sein durften. Als Sven wieder zu Hause war, gefiel es ihm nicht die ersten Tage. "Komisch" nörgelte er. Er fühlte, dass irgendetwas fehlte. Vielleicht die Stimme von Marc's Mutter, die sie morgens immer pünktlich um 09:00 weckte. Oder vielleicht auch der typisch nudelriechende Geruch in der Wohnung von Marc. Die Mutter hat öfter mal zum Mittag leckere Bandnudeln
gemacht. Sven's Mutter pflegte wenig Nudeln zu machen, doch nun würde sie es auch mal machen, extra für Sven;
"Wie gütig" dachte Sven. Als Sven am nächsten Morgen aufsteht, geht er direkt zur Küche und packt die Nudeln aus, die seine Mutter eigentlich als das nächste Mittagessen vorgesehen hatte. Er packt sie in Geschenkpapier ein und tut sie in eine Schuhkiste. Die malt er noch ein wenig bunt an und schließlich schreibt er einen Berief, den er lose in die Kiste tun will. Auf dem Blatt steht lediglich "Danke für alles! Ich vermisse euch! Und die leckeren Nudeln! Grüße auch an deine Mutter" geschrieben.

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